LOW / HEROES

Film, Tanz, Minimal Music und experimentelle urbane Musik: LOW / HEROES entspricht keinesfalls den bekannten FilmKonzerten, sondern beeindruckt vor allem durch eine Vielzahl an sinnlichen Erfahrungen. Regisseur Renaud Cojo nennt LOW / HEROES einen „Hyper-Cycle“,dessen Mittelpunkt die Stadt Berlin ist. Ihre abwechslungsreichen Stadtlandschaften bildenden narrativen und kulturellen Kontext, während sich die Musik selbst um drei Hauptachsen dreht - David Bowie, Philip Glass und Brian Eno, deren Werke sich unaufhörlich wandeln und gegenseitig beeinflussen.

Vor fast vierzig Jahren, 1976, lebte David Bowie in Berlin und war bereit, seine sogenannte „Berlin-Trilogie” zu schreiben: „Low“ (1976), „Heroes“ (1977) und „Lodger“ (1977). Für diese drei Alben erhielt er die bemerkenswerte Unterstützung von Brian Eno, mit dessen Hilfe er die Stimmung im früheren West-Berlin einfing, genauer: die neuen Klangwelten von Elektrobands wie Neu! und Kraftwerk. Bowies Musik wurde offen für eher abstrakte und komplexe und dennoch selbstverständliche musikalische Strukturen, von denen einige dem Minimalismus nahestehen.

Die entfernten Universen von Konzert- und Popmusik, von E und U, verschmolzen schließlich, als Philip Glass im Jahr 1992 drei Titel aus Bowies Album „Low“ zur Grundlage seiner Ersten Symphonie machte. Und nur vier Jahre später griff er wieder auf die Musik von David Bowie und Brian Eno zurück, diesmal für die Vierte Symphonie, „Heroes“. Glass: „Ich behandelte die Themen, als seien sie meine eigenen, und entwickelte sie, falls möglich, so, wie es meiner Vorliebe als Komponist entsprach. (...) Ich glaube, dass ich letztendlich ein richtiges Zusammengehen zwischen meiner und ihrer Musik erreicht habe.“

LOW / HEROES vereint diese Erfahrungen und richtet sie auf drei dramatische Episoden aus. Der erste Akt, „Low“, besteht aus der Aufführung von Philip Glass’ Erster Symphonie, live zu einem Film von Renaud Cojo. Dieser Film, ergreifend und fesselnd zugleich, zeigt eine gespenstische Tour durch die Stadt Berlin - eine Tour, die ganz wunderbar zu Glass’ hypnotischer Musik und Bowies eigenen Erfahrungen in der Stadt vereint, Erfahrungen „eines Vagabunden, der zur Erde fällt“, wie der Journalist Rob Sheffield schreibt.

Im zweiten Akt, „The Diary of Nathan Adler”, tritt der Schauspieler Bertrand Belin - David Bowies alter ego im „Lows”-Film - aus der Leinwand heraus und macht aus Bowie poetischen Schriften eine Live Performance zu den Klängen des Gitarristen Stef Kamil Carlens.

Im dritten Akt, „Heroes”, wird Philip Glass’ atemberaubende Vierte Symphonie in Bewegung und Echtzeit-Videokunst übertragen. Die Tänzer Louise Lecavier und Frédéric Tavernini werden dabei gefilmt, wie sie zu der Musik tanzen. Ihre Körper werden in einen bereits vorliegenden Film von Renaud Cojo und Laurent Rojol hineinmontiert, der noch einmal einige sinnbildliche und rätselhafte Berliner Orte mit expressionistischem Weltschmerz in Erinnerung ruft.

LOW / HEROES ist ein faszinierendes musikalisches Spiegelkabinett. Auf dem Weg entlangden Vorlagen und den Ab- bzw. Verwandlungen werden die traditionellen Unterschiede und Grenzen zwischen klassischer und populärer Musik, zwischen herkömmlicher Filmprojektion und klassischer Theateraufführung aufgehoben und neu zur Diskussion gestellt.

Eine Produktion von Ouvre le Chien.

 

(PDF) Projekt Beschreibung