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Andalusischer Hund, Ein
(Un chien andalou)
Frankreich
1928
Avantgarde

Gerade einmal 28 Jahre alt war der spanische Regisseur Luis Buñuel, als er gemeinsam mit Salvador Dalí eines der ersten filmischen Meisterwerke des Surrealismus schuf: UN CHIEN ANDALOU. In dem 17-minütigen Kurzfilm werden zahlreiche nur assoziativ zusammenhängende Szenen montiert, die eher einer Traumlogik folgen, als dass ihnen mit rationalen Kategorien beizukommen wäre. Zu sehr verschwimmen äußere Realität und innere Wahrnehmung ineinander.

Gleich zu Beginn des Films gelingt Buñuel eine bis heute zutiefst schockierende Parallelmontage, mit der alle Sehgewohnheiten gesprengt werden: Ein Mann schärft sein Rasiermesser, geht hinaus auf den Balkon und betrachtet sehnsüchtig den Abendhimmel. Während eine schmale Wolke am Vollmond vorbeizieht, fährt der Mann einer jungen Frau mit dem Rasiermesser brutal durchs Auge. Weitere bildgewaltige Szenen folgen, die provozieren und zugleich als poetische Metaphern faszinieren: Aus der Wunde einer Hand, die einem Stigma gleicht, krabbeln unzählige Ameisen. Die Brüste einer Frau verwandeln sich unter den Händen eines geifernden Mannes in deren Gesäß. Ein Mann zieht an einem Seil zwei Priester und zwei Konzertflügel mit sich, auf denen Eselskadaver liegen. Immer wieder entzieht sich Buñuel mit seinen surrealen Szenerien eindeutiger Zuschreibungen und verwehrt dem Zuschauer jegliche Orientierung. Zwischentitel wie „acht Jahre später“, „gegen drei Uhr vormittags, „vor sechzehn Jahren“, „mit dem Frühling…“ treiben die Verunsicherung nur voran.

Auf der musikalischen Ebene arbeitet Buñuel mit dem Mittel der Repetition. Zwei Stücke stehen in ständigem Wechsel. Mal wird der dramatische Inhalt einer Szene mit einem argentinischen Tango kontrapunktiert, mal übersteigert der „Liebestod“ aus Richard Wagners TRISTAN UND ISOLDE Momente der Leidenschaft.

Kompositionen:

Richard Wagner u.a.

0
  kleines Orchester (16 - 45 Musiker)    
 
Besetzung
2.1.2.1 - 2.2.1/btrb.0 - tmp.perc - strings
     
 
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