zurück Print Version
Chant d'Amour, Un
(Chant d'Amour, Un)
Frankreich
1950
Drama

UN CHANT D’AMOUR gilt als Meilenstein schwuler Filmkunst und Ästhetik. Genets einziger Film beruht auf seinem Manuskript Notre-Dame-des-Fleurs, das er während eines langjährigen Gefängnisaufenthalts schrieb. Immer wieder fängt die Kamera Fragmente der männlichen Körper in Großaufnahmen ein. Genet fetischisiert seine Protagonisten: Arme, Hände, Gesichter, Oberkörper werden in weichem Licht inszeniert. Diese Aufnahmen stehen in hartem Kontrast zur brutalen und freudlosen Welt des Gefängnisses, so daß sich der narzisstische Selbstbezug der Insassen in einem stummen 'Lied der Liebe' mit Bildern von Einsamkeit, Frustration und Verlangen verbindet. Enge und Weite, Strenge und Verspieltheit mischen sich in diesem Filmgedicht mit dem sadistischen Voyeurismus des Aufsehers (und des Publikums) und erzeugen so eine Spannung aus Tod, Macht und Leidenschaft.

 

Der Film UN CHANT D’AMOUR von Jean Genet ist 1950 entstanden, zu einer Zeit also, in der man in der Regel keine Stummfilme mehr produzierte. Genet wollte ihn ohne Musik haben. Für András Hamary, Pianist, Komponist und Dirigent aus Budapest, ist das ein Gebot, etwas von der Gespanntheit der Stille, die diesen Film bisher umgab, zu wahren. Auch der Titel verpflichtet: der Gesang zweier Instrumente, die sich kaum je richtig werden vereinigen können, ein Gesang verhinderter Liebe in einem feindlichen Umfeld. Die Musik geht oft ihre eigenen Wege und trennt sich von der Leinwand. Immer jedoch speist sie sich aus Zärtlichkeit und aus Gewalt, durch die sich Sexualität in diesem Film manifestiert. (Auftragskomposition der StummFilmMusikTage Erlangen)

Ein Aufseher nähert sich einem Gefängnis. Sein Blick fällt auf einen Blumenstrauß, der von einem vergitterten Fenster zum nächsten geschwungen wird, ohne dass er vom Arm des Empfängers gegriffen werden kann. Das Interesse des Aufsehers ist geweckt: er beginnt die einzelnen Gefangenen in ihren Zellen durch den Türspion zu beobachten, was den Voyeur sichtlich erregt. Besondere Aufmerksamkeit widmet er dem stummen Dialog eines aufgewühlten Gefangenen mit seinem offenbar desinteressierten Zellennachbarn durch eine Wand hindurch. Diese Wand selbst wird zum Objekt der Begierde, geküsst, geschlagen, durchbohrt. Die beiden Männer tauschen Zigarettenrauch über einen Strohhalm durch ein kleines Loch in der Wand aus. Dies wiederum beflügelt die Phantasie des Aufsehers. Er betritt schließlich die Zelle des älteren Gefangenen und misshandelt diesen frustriert. Der Insasse flüchtet sich in eine romantische Phantasie, in der er sich seinem Zellengenossen in der freien Natur hingibt. Als der Aufseher schließlich das Gefängnis wieder verlässt, sieht er nicht, wie der schwingende Blumenstrauß schließlich gefangen wird.

Kompositionen:

András Hamary

0
  Ensemble (1 - 15 Musiker)    
 
Besetzung
Flöte, Kontrabass, Klavier
     
 
Dauer in min.
20
sync fps
24
zurück